Heilbronner JN-Stützpunktleiterin will Beamtin werden

Es gibt NPD- Kader, die sich seit Jahren in der Öffentlichkeit zu ihrer Mitgliedschaft und ihrem Engagement bekennen. Und es gibt AktivistInnen der Nazi- Partei, die aus den verschiedensten Gründen bemüht sind, möglichst anonym zu bleiben und nicht namentlich bekannt zu werden. Zu letzteren gehört die Heilbronner JN- Stützpunktleiterin Isabel Zentarra aus Lauffen am Neckar.

Tierlieb auf dem Weg in den gehobenen Verwaltungsdienst

Nach ihrem Abitur am Hölderlin- Gymnasium in Lauffen am Neckar im Jahr 2011 begann Isabel Zentarra ein verwaltungswissenschaftliches Studium an der Fachhochschule in Kehl mit dem Ziel, danach im gehobenen Verwaltungsdienst zu arbeiten. Im Rahmen ihres Studiums absolvierte die Faschistin im Jahr 2011 ein sechsmonatiges Praktikum bei der Stadt Lauffen, in dessen Verlauf sie in der Stadtkämmerei und in weiteren Ämtern eingesetzt wurde.
In einem Vorstellungsartikel im amtlichen Orts- und Mitteilungsblatt „Lauffener Bote“ vom 15.September 2011 lobte Zentarra das „interessante Studium, in dem sich Theorie und Praxis vereinen“ lasse und gab als späteres Berufsziel eine Stelle im Amt für Veterinärwesen an, um sich dort unter anderem um den Tierschutz zu kümmern.
Das Thema „Tierschutz“ ist der blonden „Nationaldemokratin“, die neben ihrem eigenen Hund verschiedene Pflegehunde versorgt und im Freundeskreis auch gerne durch das Imitieren von Hundegeräuschen brilliert, sowieso eine Herzensangelegenheit.

So erstellte sie 2011 als Gymnasiastin mit Hilfe der „Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V.“ ein Referat über „Tierversuche“ und unterschrieb diverse themenbezogene Online- Petitionen gegen den Einsatz von Wildtieren im Zirkus oder die Tötung von Hunden.
Versuche, an Ideen aus der Tierschutz- und Tierrechtsszene anzuknüpfen und dort Fuß zu fassen, sind in der faschistischen Szene immer wieder zu erkennen und zeigen sich aktuell z.B. auch in einer Kampagne des baden- württembergischen JN- Landesverbandes unter dem Motto „Tierschutz ist auch Heimatschutz“.

Während ihrer Zeit als Praktikantin der Stadtverwaltung verfasste Isabel Zentarra selbst mehrere Artikel für den „Lauffener Boten“.
So analysierte sie für die Ausgabe vom 26.Januar 2012 beispielsweise in einem Rückblick auf das Jahr 2011 die Arbeit des Bürgerbüros Lauffen und fasste dazu verschiedene statistische Daten zusammen – darunter auch die vom Einwohnermeldeamt erfassten Meldevorgänge, Zuzüge, Umzüge, Wegzüge, Sterbefälle und Geburten in der Stadt und die Zahl ausgestellter Ausweisdokumente und zur Landtagswahl und Volksabstimmung ausgegebener Stimmzettel.
Andere Artikel waren belangloser und beschäftigten sich mit der Einrichtung einer Eislaufbahn auf dem örtlichen „Kiesplatz“ (Lauffener Bote vom 16.Februar 2012) oder der Verleihung des „Sparkassen-Handwerkspreises“ (Lauffener Bote vom 26.Januar 2012).

Gewissenhafte NPD- Aktivistin und „Stützpunktleiterin“

Im bereits erwähnten Vorstellungsartikel des „Lauffener Boten“ zu Beginn ihres Praktikums bei der Stadt gab Isabel Zentarra an, den „größten Teil ihrer Freizeit“ mit ihrem Border-Collie „Fox“ beim Hundesport oder mit „Unternehmungen mit ihrer Familie und Freunden“ zu verbringen.

In der Tat ist bzw. war sie unter anderem beim „SWHV-HSV Neckargartach“ als Hundesportlerin aktiv.
Verschwiegen hat Isabel Zentarra allerdings ihr umfangreiches Engagement als Nazi- Aktivistin und Leiterin des „Stützpunktes Heilbronn“ der NPD- Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) bzw. als Mitglied des Heilbronner NPD- Kreisverbandes.
Isabel Zentarra ist als „Stützpunktleiterin“für die Anwerbung und Betreuung junger „Kameradinnen und Kameraden“ verantwortlich und nimmt regelmäßig an den Stammtischen des NPD- Kreisverbandes Heilbronn teil, z.B. am 19.April 2013 in der Sport- Gaststätte „Zum Nordmann“ in Kirchheim am Neckar.
Auch bei internen Veranstaltungen des NPD- Kreisverbandes Heilbronn ist Isabel Zentarra mit von der Partie, so beispielsweise beim „Tagesausflug“ am 23.September 2012 nach Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis).
An Demonstrationen und Kundgebungen beteiligt sich die Studentin gerne als Trägerin der Fahne des Heilbronner JN- „Stützpunktes“, z.B. am 7.Juli 2012 bei der Kundgebung der NPD in Künzelsau (Hohenlohe) oder am 6.Oktober 2012 beim Naziaufmarsch der „Autonomen Nationalisten“ in Göppingen.
Am 23.März 2013 nahm sie halb vermummt an einer Kundgebung in Speyer im Rahmen einer „Kaffeefahrt“ der NPD teil und am 25.Mai 2013 reiste sie mit KameradInnen nach Karlsruhe, um sich dort an einem bundesweiten Naziaufmarsch unter dem Motto „Freiheit für alle Nationalisten“ zu beteiligen, der allerdings durch antifaschistische Blockaden verhindert werden konnte.
Innerhalb der rechten Szene in der Region Heilbronn fungiert Isabel Zentarra als Bindeglied. Sie arbeitet mit den älteren, traditionell ausgerichteten NPD- Aktivisten wie Siegfried Gärttner oder Matthias Brodbeck und „biederen“ Nachwuchsfunktionären wie Daniel Reiß zusammen, hat aber auch keine Berührungsängste zu aktionsorientierten militanten Nazigruppen wie den „Freien Nationalisten Kraichgau“ (FN Kraichgau). Davon zeugte unter anderem das gemeinsame Sommerfest der „JN Heilbronn“ mit den „Freien Nationalisten Kraichgau“ am 18.August 2012 in Sinsheim.
Allerdings greift Isabel Zentarra als geschulte Parteiaktivistin auch ein, wenn sie die politische Außenwirkung auf den „Normalbürger“ durch das Auftreten von „Kameraden“ gefährdet sieht. Im sozialen Netzwerk „Facebook“ ermahnt sie im Namen der „JN Heilbronn-Hohenlohe“ Gleichgesinnte, die in Kommentaren eindeutige Parolen oder Zahlencodes wie „88“ (=Heil Hitler) verwendeten:

„Gewöhnt euch doch einer ordentlichen Sprache an, was bringen denn irgendwelche Zahlenkombinationen und dergleichen. Das schreckt nicht nur den Bürger ab, sondern wirkt auch relativ naiv.“ An die „Facebook“- Seite der „Freien Nationalisten Kraichgau“ schrieb sie: „Das Motto des Aufrufs ist sinnvoll, aber stellt euch mal vor, das lesen hier Normalbürger – denn es sollte ja eigentlich Sinn unserer Propaganda sein, dass wir auch Nicht- Nationale mit unseren Aufrufen erreichen.“

Nazistrukturen aufdecken und zerschlagen!

Faschisten und Faschistinnen stellen mit ihrer menschenverachtenden Ideologie eine konkrete Bedrohung für MigrantInnen, Jüdinnen und Juden, Homosexuelle, Obdachlose, AntifaschistInnen und Linke dar. Zu ihren Netzwerken gehören nicht nur Straßenschläger, gewaltbereite Kleingruppen und VollzeitaktivistInnen, die mit ihrem bürgerlichen Leben gebrochen haben, sondern auch unscheinbare „KameradInnen“ im Hintergrund.
Isabel Zentarra aus Lauffen am Neckar versucht, ihr Gesicht bei Naziaufmärschen hinter großen Sonnenbrillen und unter Kapuzen zu verbergen und ihre Tätigkeit als JN- „Stützpunktleiterin“ zu verheimlichen, um als zukünftige Beamtin eine Stelle im offiziell „verhassten“ Staat zu bekommen. Als Praktikantin der Stadt Lauffen hatte sie möglicherweise bereits Zugriff auf sensible persönliche Daten von Bürgerinnen und Bürgern.

Isabel Zentarra weiß genau, was sie tut. Sie ist keine Mitläuferin, sondern eine überzeugte Faschistin.
Ihre intellektuellen Fähigkeiten, die sie als Preisträgerin des „Historischen Vereins Heilbronn“ für ihre Abiturleistungen im Fach Geschichte 2011 unter Beweis stellte und die sie jetzt in ihrem Studium ausbauen möchte, setzt sie für die Nazi- Partei NPD ein.
Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, Isabel Zentarra aus der Anonymität zu reissen.
Die Liste ehemaliger Heilbronner JN- Stützpunktleiter der letzten Jahre, von denen auch aufgrund antifaschistischer Konfrontation in der Region heute nichts mehr zu hören und sehen ist, ist recht lang: Steffen Egolf, Kai Hinger, Haiko Lattus.
Isabell Zentarras Vorgänger Marcel Müller lebt jetzt in Filderstadt und züchtet dort exotische Vögel.

Die Liste muss länger werden. Der Stress für die Nazis wird nicht aufhören.

Mehr Bilder und Belege hier: https://linksunten.indymedia.org/de/node/88922

Antifaschistische Aktion Heilbronn, im Mai 2013